„How cain I ‘elp you luv ?“. Das ist zwar Glaswegianisch, aber so nett gemeint, dass es die manchmal traumatischen Erinnerungen an div. Londoner Hotels etwas versüsst.
„Hotel“ ist in London eh ein Euphemismus. Zumindest für Rucksacktouristen.
In diesem kleinen Hotel in Chelsea war ich schon einmal (schreibe den Namen ausdrücklich nicht wegen mögl. Geschäftsschädigung ).
Und zwar ganz ganz oben, in einer winzigen Schuhschachtel von Zimmer. In dem sich das Fenster nicht schließen ließ. Und das war bedauerlich, denn gerade gegenüber auf der Kings Road befindet sich die „Fire Station“. Offenbar passieren in London am Wochenende die meisten Feuerunfälle wie ich mit eigenen Ohren erfuhr.
Und zwar morgens in aller Frühe !
Das ist nicht schön für die Betroffenen und deshalb sollte man sich nicht so anstellen.
Dafür hatte man sehr früh morgens das Bad in einer Art Waschküche ganz für sich. Mit der Aussicht auf eine langsam verrottende, ausrangierte Neonreklame von „Mercedes Benz“ im verwilderten Hinterhofgarten.
Themenpark „Wellness for beginners“ (01)
Aus nostalgischen Gründen frug ich Jahre später hier also nochmals nach einem Einzelzimmer. Und die Landlady verlangte 36 Pfund pro Tag ! – ein königlicher Preis für eine Besenkammer – das sind ungefähr 50 Mäuse in Euro.
„After all, we are a hotel !“, she said.
Aber was sie eigentlich meinte war:
„After all, you’re a bloody tourist !“
Ich zuckte nur mit den Achseln und ging.
Londoner Hoteliers der mittleren Preiskategorie haben eine sehr pragmatische Einstellung zu ihren Gästen und wer sich in London gut und preiswert untergebracht sehen will, sollte eher ein bisschen ausserhalb eine B&B-Facility suchen. Etwa in der Gegend von „Crystal Palace“. Aber das ist eine andere Geschichte.
Untergebracht hatte ich mich dann für diesmal schließlich in irgendeiner Absteige in der Nähe von Kings Cross für etwa 25 Euro. Und schlief wie auf sonischen Nägeln, das heißt praktisch überhaupt nicht.
Ein lautes saugendes Geräusch aus dem Hinterhof, das sich überhaupt nie änderte ( ein Abluftkanal ? )
Und mitten in der Nacht im Gang eine Art moralischer Vortrag eines Landsmanns mit sehr viel rollenden Rrrrr`s an jemand, der nicht antwortete. Vielleicht wars aber auch experimentelle litauische Lyrik ? Jedenfalls hatte dieses Hotel sehr viel Atmosphäre, ein bisschen zu viel für meinen Geschmack.
Es mag eine Stunde später gewesen sein – ich war dann doch ein bisschen eingeduselt – eine ohrenbetäubende industrielle Techno-Sequenz von nebenan, die Minuten anhielt, um sich schließlich im Hotel zu verlieren.
Ein Gespensterzug ? Durch ein Haus mit sieben Giebeln ? Verkohl mich bitte nicht !
Völlig zerschlagen begrüße ich den Morgen.
Duschen !
Ungern möchte ich über den sanitären Zustand der Nasszellen referieren. Nur soviel. Das Mischen von „kalt“ und „warm“ erübrigt sich .
„Heiss“ bedeutet hier, wenige Miligrade unter der Körpertemperatur
Breakfast.
Dann doch ein Himmel wie Cornflakes ( Wolken ) gegen Kornblau. Schön.
Aber es gibt ein Problem mit Zimmer Number Nine. Jemand baut sich hier unten auf. „Where is he ?“. Diese Art von wieselartigen Bewegungen und ununterdrücktem Aggress:
„Fuck, fuck – who is responsible for dis ?“
Das ältere französische Ehepaar gegenüber ist ein bißchen entsetzt.
Die spanische Zugehfrau die uns das Frühstück macht mosert:
„Always making drouble. Always ! Everydime we has a broblem.“
Ihrem Kollegen, einem von der gemütlichen Truppe, gelingt es schließlich den Typen zu beruhigen.
Sie sagt noch : „Is he blind or someding ?“
Ich frage später in der Rezeption nach was gewesen wäre. Ach, irgendjemand wäre irgendjemandem 30 Pfund schuldig. Nicht das Problem des Hotels. Er wäre Schlimmeres gewöhnt.
Draußen jede Menge junge Nachtvögel, die sich über Dinge unterhalten die ich lieber nicht wissen will.
„Do you have some small change ?“
Langsam geht mir London schon wieder auf die Nerven.
Ja ! So ist es ungefähr in Islington. Oder wars !
I won’t miss it !
Kurt